Im Alter von knapp drei Jahren musste ich für fünf Wochen ins Inselspital nach Bern und eine schwere Operation und zahlreiche Untersuchungen über mich ergehen lassen. Wie damals üblich war ich alleine dort, ohne meine Familie, Eltern, Mutter.
Solche ersten einschneidenden Erfahrungen wie Trennung, Spital, Operationen, Anästhesie, Schmerzen und grosse Angst sind frühkindliche Traumas – wir erinnern uns später nicht mehr daran. Und doch hinterlassen sie Spuren in unserer Seele und im unbewussten Teil unseres Körpers und unseres Denkens. Dies aufzuarbeiten und zu heilen wurde später zu einem wichtigen Teil meines Lebens und meiner eigenen Heilung.
Fehlgeburten und Totgeburten prägten mein Leben in jüngeren Jahren. Die Trauer war fast nicht auszuhalten. Es gibt eine Zeit der Geburt und eine Zeit des Todes. Wenn diese beiden gleichzeitig aufeinandertreffen, ist die Weltordnung gestört (mehr dazu unter Trauerbegleitung Fehl- und Totgeburt)

Der Unfall

Das Loch

Zwei Jahre nach dem Unfall begannen meine Panikattacken, ich war total erschöpft und gleichzeitig angetrieben. Mein Nervensystem war ausser Kontrolle. Ich konnte nicht mehr schlafen und hatte grosse Angstzustände.

In dieser Zeit erlebte ich tiefdunkle Nächte voller Verzweiflung. Das Schicksal und die ganze Welt waren gegen mich, niemand verstand mich. Ich fühlte mich ganz allein in meiner Verzweiflung. Sehr lange kämpfte ich gegen das Schicksal an.

Ich versuchte viele verschiedene Heilungsansätze. Nichts und niemand konnte mir helfen. Alle lebten ihr Leben, während ich zugrunde ging.

Schliesslich wurde eine „Posttraumatische Belastungsstörung mit einer Angststörung“ diagnostiziert und ich ging für neun Wochen in eine Klinik. Es war für mich so wichtig, einmal für eine Zeit weg sein zu können von all den Verpflichtungen und nur für mich selber da zu sein. Leider musste ich Psychopharmaka einnehmen. Die halfen mir nicht wirklich. Auch die Gesprächstherapie brachte mich nicht weiter. Ich hatte ständig das Gefühl, dem Therapeuten eine Last zu sein und ihn zu enttäuschen, weil es keine Verbesserungen gab. Schliesslich meinte er, die Psychopharmaka würden deshalb nicht helfen, weil ich mich innerlich dagegen sträubte. Also war es mein Fehler, dass es mir nicht besser ging.

Noch einige Jahre nach dem Aufenthalt in der Klink dachte ich, es sei wirklich meine Schuld, dass keine Besserung möglich war. Ich gab aber nicht auf und ging weiterhin zu wechselnden Therapeuten in die Psychotherapie. Mit der Zeit merkte ich immer klarer, dass reine Gesprächstherapie mir nicht weiterhelfen konnte. Ich blieb eigentlich viel zu lange in diesen Therapien.

Der Heilungsweg

Irgendwann hörte ich von dem amerikanischen Psychologen und Biologen Peter Levine und seiner Arbeit. Ich erlebte, wie er mit traumatisierten Kriegsveteranen arbeitete. Sein Konzept und Verständnis von Trauma faszinierte mich sofort.

„Endlich jemand, der meine Symptome versteht“, dachte ich. Ich realisierte zum ersten Mal in meinem Leben, dass meine Symptome nach all dem, was ich erlebt hatte, völlig „normal“ waren. Auch andere Menschen litten unter dem, was mein Leben seit Jahren zur Qual machte. Die Arbeit mit Somatic Experiencing Trauma Healing hat ihnen geholfen.

Es gab also doch einen Weg zurück ins Leben!

Das Training

Ich absolvierte das dreijährige Training für Somatic Experiencing Trauma Healing von Peter Levine. Beim Einführungskurs war ich nervlich und körperlich derart am Ende, dass ich schon in der ersten halben Stunde einen Zusammenbruch erlebte und nur noch zitterte und weinte. Der Lehrer blieb ganz ruhig. „Wo im Körper spürst du das Zittern? Wo spürst du die Angst?“, fragte er nur.

Das war ein ganz neuer Ansatz für mich und ich wusste sofort, dass mir diese Arbeitsweise helfen konnte. Ich lernte im Training viel über Traumas, die im Nervensystem festsitzen und mit Hilfe eines „SE Therapeuten“ gelöst und transformiert werden können.

Allmählich kam ich endlich wieder in meinen Körper. Ich lernte, wie ich mich selbst regulieren kann, wenn mich Gedanken oder Emotionen aus der Vergangenheit überwältigen, so dass ich mich nicht mehr länger hilflos und ausgeliefert fühle.

Es war ein harter Weg, ein intensives Training. Im Verlaufe des Trainings wurde mir klar: Ich will Menschen helfen können, die nie aufgegeben haben. Die trotz vieler Versuche und vieler Rückschläge das innere Wissen haben, dass es etwas geben muss, das ihnen helfen wird zu heilen und wieder ganz zu werden.

Jetzt endlich bin ich im Frieden mit der Vergangenheit.

To bless your past that it turns to wisdom.
To bless your challenges that they initiate you into greatness.
To bless your heart that it blooms like a great flower in love.
To bless your brain that it will be activated with a new consciousness.
To bless the divine in me.
(Joe Dispenza)